Robert Limpert

Ansbacher Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus

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Biographie

* 15. Juli 1925 in Ansbach
+ 18. April 1945 ebenda

Zusammenfassung

Nur wenige Stunden vor dem Einmarsch der amerikanischen Soldaten am 18. April 1945 wurde Robert Limpert am Haupteingang des Ansbacher Rathauses ermordet: Der 19jährige Student hatte zur kampflosen Übergabe seiner Heimtstadt an die heranrückenden Alliierten und zum Widerstand gegen die fanatisch kämpfenden Nazis aufgerufen. Die Motivation für seine mutige Tat hat Robert Limpert aus seinem tiefen katholischen Glauben genommen.

Ermordet wurde Robert Limpert vom damaligen Kampfkommandanten Ansbachs, dem Oberst Dr. Ernst Meyer, der bis zu seinem Tod - er starb 97-jährig im Jahr 1993 - seine damalige Tat rechtfertigte und keinerlei Unrechtsbewusstsein erkennen ließ.

Kindheit, Jugend, Schulzeit und Studium

Robert Limpert wurde am 15. Juli 1925 in Ansbach geboren und wuchs in einem gut katholischen Elternhaus auf. Ein Onkel war katholischer Priester und seit frühester Jugend engagierte er sich in seiner Heimatgemeinde St. Ludwig. Er war Ministrant, leitete als Jugendlicher Andachten, war mit den Kaplänen befreundet und fühlte sich eng mit der katholischen Kirche verbunden.

Robert Limpert besuchte das Ansbacher Gymnasium Carolinum, das er 1943 verlassen musste. Er soll damals eine Lehrerratssitzung mit einer technischen Apparatur abgehört haben und wurde der Schule verwiesen. Neuere Forschungen lassen vermuten, dass seine antinationalsozialistische Einstellung, die er auch im Unterricht immer wieder vertrat, der eigentliche Grund für den Verweis von der Schule waren. Ein unrühmliche Rolle hat in diesem Zusammenhang der spätere Münchner Geschichtsprofessor Dr. Karl Bosl gespielt, der sich später immer wieder gerühmt hat, der geistige Vater des Widerstands von Robert Limpert gewesen zu sein. Tatsächlich war er aber nicht unmaßgeblich an dem Schulverweis beteiligt. Auch dank der Vermittlung des ersten Nachkriegs-Oberbürgermeisters Ansbachs, Dr. Hans Schregle, konnte Limpert in Erlangen das Abitur ablegen. Aufgrund eines angeborenen Herzfehlers wurde er für wehruntüchtig erklärt und konnte Pläne für sein Studium schmieden. Obwohl er die Zusage der Schweizer Universität Fribourg hatte, sich dort einschreiben zu können, gelang es ihm nicht, sein Studium dort aufzunehmen, denn man erlaubte ihm die Ausreise nicht. So besuchte er als Gasthörer im Wintersemester 1944/45 Vorlesungen und Lehrveranstaltungen an der Universität Würzburg.

Anfang März 1945 wurde Robert Limpert dann doch noch eingezogen und erlitt bei einem Fliegerangriff auf Würzburg eine Woche später einen schweren Herzanfall, was zu seiner Entlassung und zu seiner Rückkehr ins heimische Ansbach führte. Zusammen mit ehemaligen Klassenkameraden entschloss er sich, den Widerstand zu intensivieren. Es wurden nachts Flugblätter gedruckt und verteilt sowie Plakate entworfen, die zur Kapitulation aufriefen.

Der 18. April 1945

Am letzten Kriegstag in Ansbach, dem 18. April 1945, durchtrennte er zur Mittagszeit im Alleingang ein Telefonkabel der Wehrmacht auf der Promenade, das vom Hauptgefechtsstand im Keller des Ansbacher Schlosses zu Verteidigungslinien lief. Robert Limpert hatte gedacht, mit dem Durchtrennen könne er die sinnlose Verteidigung Ansbachs unterbinden. Tatsächlich war der Gefechtsstand schon verlassen und das Kabel nicht mehr in Betrieb. Der 19jährige Limpert wurde von zwei Hitlerjungen beobachtet, verraten und auf Anordnung Meyers an einem Haken am Rathaus am Martin-Luther-Platz erhängt. Der Hinrichtung ging kein Urteil, sondern ein fünf Minuten dauerndes Schnellverfahren voraus. Meyer selbst legte dem jungen Limpert die Schlinge um den Hals - zweimal, denn beim ersten Versuch riss der Strick. Zuvor hatte der herzkranke Limpert noch versucht zu fliehen, wurde aber nach nur wenigen Metern in der Uzstraße wieder eingefangen und an den Haaren zurück ans Rathaus geschleift. Als Limpert starb, waren die Amerikaner schon fast in der Stadt. Bereits gegen 13.30 Uhr wurden die ersten US-Soldaten in der Jüdtstraße gesehen, um 17.30 Uhr erreichten sie die Polizeiwache im Rathaus, nahmen die Mannschaft dort fest und gegen 19 Uhr war Ansbach vollständig besetzt. Ernst Meyer wurde 1946 wegen Totschlags zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Er war jedoch nur bis Dezember 1951 inhaftiert und arbeitete anschließend bei einem internationalen Pharma-Konzern in Ludwigshafen in seinem Beruf als Physiker.

Einer von Robert Limperts Kameraden, der im April 2013 verstorbene Dr. Hans Stützer, hatte noch kurz vor seinem Tod ausführlich über die Geschehnisse am Kriegsende in Ansbach berichtet. Demnach haben sich Anfang April 1945 im Schutze der Dunkelheit vier junge Männer, darunter Robert Limpert, Herbert Frank, Wolfgang Hammer und er getroffen, um nicht länger dem Treiben der Nazis tatenlos zuzusehen. Sie waren enge Freunde seit der Schulzeit und waren sich einig in der Ablehnung des Nationalsozialismus. Es wurde begonnen, Flugblätter zu drucken und diese nachts in der Stadt zu verteilen.

Gedenken

Dass sich die Stadt Ansbach immer schwer getan hat mit der Erinnerung an Robert Limpert, hat Dr. Stützer bis zu seinem Lebensende geschmerzt. Die Stadt Ansbach hat in den 1980er Jahren sogar einen Gedenkstein für Robert Limpert - von der Friedensbewegung gestiftet und am Rathaus aufgestellt - entfernen lassen. Erst in den 1990er Jahren, mit dem Amtsantritt von Oberbürgermeister Ralf Felber, begann die Stadt, in offiziellen Gedenkstunden an Robert Limpert zu erinnern. Es wurden Gedenktafeln im Rathausdurchgang und im Gymnasium Carolinum angebracht. Seine Freunde, wie beispielsweise der Kunsterzieher Heinrich Pospiech, hatten schon in den 1960er Jahren mit einer Tafel am Wohnhaus Limperts in der Kronenstraße an ihn erinnert.

Die katholische Pfarrei St. Ludwig dagegen hat sich immer an Robert Limpert erinnert und mit Gedenkgottesdiensten und anderen Veranstaltungen seine Tat dem Vergessen entrissen. 1985 wurde in der Marienkapelle der Ludwigskirche, in der auch den getöteten Soldaten gedacht wird, eine Gedenktafel angebracht. Wie umstritten das Gedenken an Limpert damals in Ansbach war, zeigt die Tatsache, dass diese Tafel mehrmals entfernt und beschmiert wurde, bis man sie fest in der Wand verankerte. Auch die Erzdiözese Bamberg hat Robert Limpert nicht vergessen. Im Martyriologium, das die Deutsche Bischofskonferenz in Erinnerung für Märtyrer des 20. Jahrhunderts herausgegeben hat, wird an die mutige Tat Limperts erinnert.

Die Bürgerbewegung für Menschenwürde Mittelfranken (Stadt und Landkreis Ansbach) hat seit mehreren Jahren einen "Robert-Limpert-Preis" ausgelobt, mit dem couragiertes und mutiges Handeln von Jugendlichen gewürdigt werden soll.

Text: Alexander Biernoth